|
|
Andacht
"Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig"
2. Kor. 12, 9b
Wie viel Schwachheit gibt es! Sie kann im Alter besonders deutlich
werden, aber sie ist auch schon in jungen Jahren vorhanden. In der
blühendsten Jugend erfahren viele Müdigkeit, Versagen, Nichtkönnen,
Zurückgesetztsein. Von den ungelösten Fragen des Daseins kann der
Mensch im besten Lebensalter so belastet sein, dass er seine
Schwachheit nur zu deutlich spürt. Sie ist in dieser Welt eine
Tatsache.
Die Schwachheit hat aber noch eine besondere Unterstreichung
gefunden: Wir sind sittlich schwache Menschen, wir sind nicht stark
genug, um das Gute zu tun. Zwar strengen wir uns an und wollen aus
eigener Kraft viel leisten, doch es gelingt nicht. Aus den
Schuldgefühlen, die unser Versagen auslöst, kommen wir nicht heraus.
Wir scheitern an der Spannung und sehen keinen Ausweg.
Nun wird uns aber von der Bibel her eine neue Linie aufgezeigt, die
wir mit Freuden aufgreifen dürfen: Wir können schwach sein, wir
brauchen uns der Schwachheit nicht zu schämen. Sie wird als eine
Wirklichkeit hingestellt, die aus dieser Welt nicht wegzudenken ist.
Wir möchten sie verdecken, aber die Bibel sagt ganz klar: Wir sind
schwach. Ist das nicht schon befreiend?
Wohin kann uns unsere Schwachheit führen? Zum Gebet! Wir merken,
dass wir von einem Starken abhängig sind. Ihm wenden wir uns zu:
„Herr, sei mir gnädig, denn ich bin schwach.“ Der starke Mensch
meint, keinen Gott zu brauchen, der schwache findet zu ihm. Er darf
ihm seine Schwachheit hinlegen.
Es bleibt nicht bei dieser „Ersten Hilfe“. Seit wir von Jesus
wissen, dürfen wir die frohe Botschaft verkündigen, die Paulus an
uns weitergab: „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“. Wir beten
nicht nur und bitten um Gnade, sondern eine umwälzende Tatsache
vollzieht sich: Die Kraft Gottes teilt sich uns mit.
Die Schwachheit bedeutet keine Last mehr. Es wird sichtbar, dass
Gott an uns handelt. Wir erleben, dass seine Stärke durch Jesus
Christus in uns wirksam wird. Schwache Menschen erkennen diese Kraft
und nehmen sie in Anspruch.
Es wird heutzutage viel von den schwachen Nerven geredet. Im Grunde
will man nur den Tatbestand nicht wahrhaben, dass man in seinem
Menschsein schwach ist. Man will das Versagen auf die schwachen
Nerven schieben, die wir „von Kind an“ haben. Nach dem Wort des
Paulus ist die Schwachheit aber kein Hindernis für den, der Christ
ist. Es ist eine besondere Fügung, dass Paulus selbst den „Pfahl im
Fleisch“ hatte. Der Apostel kannte das Versagen. Auf seine
Verantwortung hin können wir dem, der unter Schwachheit leidet,
sagen: „Schäme dich nicht, sage ja zu deiner Schwachheit, aber bete
nun im Glauben, dass Gottes Kraft in dir wirksam wird.“
Wir rechnen immer wieder mit unseren versagenden Nerven. Wenn wir
aber mit Gott, dem Vater, und mit seiner Liebe rechnen, wenn wir
glauben, dass durch Jesus die Kräfte des Himmels zu uns kommen, sind
die schwachen Nerven erlöst. Wer aus der Hand Gottes lebt, kann
ruhig bleiben in den Stürmen des Lebens. Dann haben wir auch
brauchbare Nerven, aber nicht aus uns, sondern weil Gott ein gutes,
schöpferisches Wort gesprochen hat. Er spricht es in unser Herz
hinein und gebietet ihm Ruhe, so wie Jesus auf dem See Genezareth
dem Sturm gebot.
Das ist das Erstaunliche, dass geplagte, nervenschwache Menschen
einen Zustrom von Kraft erfahren können. Quälende Schlaflosigkeit
verschwindet, Schwierigkeiten des persönlichen Lebens, die
unüberwindbar erschienen, werden gemeistert. Solche Menschen
bekommen Mut, sie werden ein Beispiel für andere. Ja, sie merken
schließlich nichts mehr von ihrer Nervenschwäche, die verschlungen
wird von der Kraft Gottes.
„Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“ ist also kein frömmelndes
Wörtchen mit einem bisschen Trost, sondern es ist ein machtvolles
Wort, das ein Geschehen einschließt. Alles kommt nur darauf an, dass
wir dieses Wort aufnehmen.
Oft liegen die Zusammenhänge in der Tiefe verborgen: Durch
unvergebene Schuld ist die Seele in Unruhe, werden die Nerven
belastet. In dieser Lage kommt die Zusicherung an uns: Alle Schuld
ist erlassen. Die ganze Vergangenheit ist durch Jesus weggenommen.
Wir stehen rein und neu vor Gott. Das ist Hilfe! Jetzt dürfen wir
alle bekennen: Wir sind schwach, aber Gottes Kraft ist in uns
mächtig.
Bernhard Jansa (†)
zurück
|
|