JULIUS-SCHNIEWIND-HAUS e.V.

Geistliche Einkehr- und Begegnungsstätte

Seelsorge- und Tagungsheim in der Evangelischen Kirche

Lebenszentrum der "Schniewind-Haus-Schwesternschaft"

 

Andacht

 

 

“Maria legte ihn in eine Krippe, denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.“

Lukas 2, 7b

  

Für den Sohn Gottes war kein Raum auf Erden. Er wurde geboren, und er fand keine Heimat. Er war ein Unbekannter, ein Fremdling, das begann bei seiner Geburt, und es ist bis heute so geblieben. Für Jesus ist kein Platz. Er gehört nicht zu uns. Wir brauchen ihn nicht.

 

Jesus Christus ist bestimmt unsere Hilfe und unsere Erlösung, aber wir nehmen ihn nicht auf. Er bekommt dann wohl noch irgendeinen Unterschlupf – aber abseits von menschlicher Behausung. Die Krippe in den Berghöhlen von Bethlehem wurde ihm überlassen. Hat er bei uns Herberge? Geben wir ihm nicht auch nur ein Plätzchen am Rande? Nur so gelegentlich, wenn wir in Not sind?

 

Die Grundnot unseres Lebens liegt aber darin, dass Jesus keinen Raum bei uns hat. Wir finden nicht die Entschlusskraft, ihn ganz und gar aufzunehmen. Eine “Krippe“ haben wir noch übrig, aber unser ganzes Sein geben wir ihm nicht.

 

Irgendwohin – in ein verborgenes Eckchen – lassen wir ihn ein. Das nennen wir dann sogar Glaube. Wir gehen auch mal zur Kirche. Weihnachten feiern wir in jedem Jahr. Aber das alles ist nur eine “Krippe“. Es hat für uns nur gelegentliche Bedeutung.

 

Die Frage soll jetzt lauten: Auf welche Weise kannst du ihn einlassen? Jesus soll nicht nur in die Krippe gelegt werden, er soll die ganze Herrschaft bekommen. Im Zusammenhang mit der Volkszählung zu seiner Geburt mochte kein Raum in der Herberge sein. In deinem Leben soll sich das nicht wiederholen. Lass ihn überall herein.

 

Lass ihn hereinkommen in dein Gedankenleben. Er will dein Denken beherrschen. Das Wunderbare ist dann, dass er es in seinen Schutz nimmt und wir geordnete, gute Gedanken im Sinne Jesu bekommen. Wie denken dann nicht nur gelegentlich an ihn, sondern tief in uns ist das Wissen: Er hat alles in seinen Händen, er führt es zum Besten. So möge unser Geist von ihm erfasst werden. Ganz gewiss will er auch unser Seelenleben. Das Gefühl soll von ihm durchdrungen und geheiligt sein. Sagen wir es doch: Hier hast du meine Gefühle, hier hast du alles, was in ihnen lebt. Es wird dann wirklich alles neu werden, weil nicht mehr meine Empfindungen und Stimmungen an erster Stelle stehen, sondern der Herr, der den vorrangigen Platz bekommt. Er bringt deine Gefühle zur Gesundung. Sie kommen zur Ruhe und in Ordnung. Was krankhaft ist, nimmt er von dir. Deine Nerven sollen ihm gehören. Wenn er eindringt in dieses angespannte System, sagt er gleichsam – wir dürfen es einmal so ausdrücken -: Friede sei mit euch. Meinen Frieden gebe ich euch! Es ist herrlich, wenn die Nerven vom Frieden Gottes erfasst werden.

 

In das Leibesleben will Jesus auch hineinkommen. Warum soll der Leib ausgeklammert sein? Jesus hat auf der Lebensstrecke von der Krippe bis zum Kreuz alles dafür getan, dass auch der Leib wieder in die rechte Ordnung hineingeführt wird. Wir wissen dann, dass unsere Füße, unsere Hände, alle Glieder, auch unsere Augen, unsere fünf Sinne ihm gehören. Der ganze Mensch wird sein Eigentum. Er lässt ihm seine Kraft zuteil werden.

 

Jesus Christus ist Mensch geworden und hat auf dieser Erde gelebt, damit wir unser Leben in ihm führen können und er unser ganzes Dasein mit seiner Art und mit seiner Liebe durchdringt. Das ist die gute Nachricht am Christfest: Mensch, du wirst ganz und gar von mir erneuert. Dazu brauchen wir nur ja zu sagen. Wir geben uns ihm hin und opfern ihm das Stolzeste, was wir haben: unser Ich.

 

Das alles dürfen wir freiwillig tun. Es kommt zu einer ganz engen Verbindung mit Jesus Christus. Wir sind gerettet aus der Verlorenheit des Menschseins. Unsere Schuld und unsere Sünde sind uns vergeben. Das Böse hat keine Macht mehr. Weil der Sohn Gottes uns erfasst, ist alles erledigt, was dunkel in uns war.

 

Wir können neu und anders in dieser Welt leben. Als von Jesus erfasste und von seiner Liebe durchdrungene Menschen haben wir die Verheißung, dass wir die Nöte und Schwierigkeiten des Lebens überwinden.

 

Wir wollen dem Heiland und Retter viel Raum geben.

 

Pfarrer Bernhard Jansa (U)

 

  

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